Podiumsdiskussion – Zum Matilda-Effekt an der Uni Graz

Podiumsdiskussion zum Matilda-Effekt an der Uni Graz

Der Matilda-Effekt – REWI Uni Graz im Gespräch (Podiumsdiskussion)

Der Matilda-Effekt beschreibt ein wiederkehrendes Phänomen: Leistungen von Frauen werden in Wissenschaft (aber auch in Politik, Wirtschaft, Bildung und Kunst) häufig übersehen, unterschätzt oder anderen zugeschrieben.

Die Podiumsdiskussion „Matilda Effekt. Zur (Un-)Sichtbarkeit von Frauen“ widmet sich genau diesen Dynamiken. Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Kultur diskutieren historische Kontinuitäten, aktuelle Herausforderungen sowie mögliche Wege zu mehr Sichtbarkeit und Anerkennung von Frauen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen.

Am Podium diskutieren:

Gabriele Schmölzer (Dekanin der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, Universität Graz)

Martin Polaschek (ehemaliger Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung)

Anita Ziegerhofer (Institutsleiterin, Institut für Rechtswissenschaftliche Grundlagen, Universität Graz)

Stefanie Wöhl (Jean Monnet Chair, FH BFI Wien)

Bella Volen (Kunstgaleristin, Dozentin & akademische Kunstmalerin)

Die Diskussion zum Matilda-Effekt wurde co-moderiert von Josef Mühlbauer, Friedensforscher an der Universität Graz als auch der REWI Uni Graz. Initiatorin des wissenschaftlichen Kunstprojekts „Matilda“ ist Mag. Bella Volen (https://bella-volen.com/)

Weiterführende Links und Quellen lassen sich in der YouTube Infobox finden.

Schöne Momente: Die Studierenden kamen im Nachhinein zu mir und gratulierten mit solchen Worten (ich paraphrasiere):

Ein wirklich gelungener Austausch! Die Kombi aus analytischer Tiefe und persönlichen Perspektiven hat das Panel sehr lebendig gemacht.

Danksagung: Ein großer Dank für die tolle Kooperation, Zusammenarbeit und Hilfe geht an Prof. Jürgen Pirker, Dr. Maximilian Lakitsch, Kathrin Maderbacher, Vanessa Nistelberger, Dr. Ksenia Radchenkova, Isabella Harkam als auch der Koordinationsstelle für Geschlechterforschung, Christina Fischer-Lessiak.

Kunst als epistemische Intervention: Bella Volens „Matilda“-Projekt

Ein besonders produktiver Zugang ergibt sich über die Arbeiten von Bella Volen. Ihr Projekt „Matilda“ lässt sich nicht einfach als künstlerische Begleitung eines wissenschaftlichen Diskurses verstehen, sondern vielmehr als eigenständige Form der Wissensproduktion. In ihren Werken wird Unsichtbarkeit nicht nur thematisiert, sondern visuell und ästhetisch erfahrbar gemacht.

Matilda Joslyn Gage

Die Bezugnahme auf Matilda Joslyn Gage als Namensgeberin des „Matilda-Effekts“ verleiht dem Konzept eine wichtige historische Tiefenschärfe. Gage war eine zentrale Figur der US-amerikanischen Frauenrechtsbewegung des 19. Jahrhunderts, deren Beiträge lange marginalisiert wurden. Diese doppelte Unsichtbarmachung ist analytisch aufschlussreich. Sie zeigt, dass Ausschlüsse nicht nur entlang von Geschlechtergrenzen verlaufen, sondern auch innerhalb politischer Bewegungen reproduziert werden können. Der Matilda-Effekt ist somit nicht nur ein Phänomen der Wissenschaftsgeschichte, sondern Teil einer breiteren Geschichte von Macht, Erinnerung und Kanonbildung.

Der Matilda-Effekt als wissenschaftssoziologisches Konzept

Theoretisch lässt sich der Matilda-Effekt im Schnittfeld von Wissenschaftssoziologie, feministischer Theorie und Erkenntnistheorie verorten. Ursprünglich als Gegenbegriff zum sogenannten „Matthew-Effekt“ formuliert, beschreibt er systematische Verzerrungen in der Zuschreibung von wissenschaftlicher Leistung.

Zentral ist dabei die Frage nach epistemischer Autorität: Wer gilt als legitimer Wissensproduzentin? Wer wird zitiert, wer wird übergangen? Es geht hierbei also primär um die Anerkennung von weiblicher Leistung in der Wissenschaft.

Interdisziplinarität als analytische Stärke

Ein zentrales Verdienst des Panels lag darin, diese unterschiedlichen Ebenen miteinander ins Gespräch zu bringen, nämlich die institutionelle Perspektive der Politik und der Universität, die historische Dimension sowie die Verbindung mit künstlerischen Reflexionen. Warum ist das wichtig? Gerade diese Verschränkung ermöglicht es, den Matilda-Effekt nicht nur als Diagnose, sondern als analytisches Werkzeug zu begreifen. Er hilft dabei, blinde Flecken in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen sichtbar zu machen

Mein persönliches Fazit auf dieser Podiumsdiskussion: Die Diskussion um den Matilda-Effekt gewinnt an Tiefe, wenn sie nicht isoliert als Gleichstellungsproblem betrachtet wird, sondern als Ausdruck grundlegender Fragen von Wissen, Macht und Sichtbarkeit.

Friedensbücher – Buchmesse Hannersberg

Buchmesse in der wunderschönen Weinidylle Südburgenlands #hannersberg

Das Buch „Zur imperialen Lebensweise“ (2022) analysiert die tief verankerten, wachstumsgetriebenen Macht- und Herrschaftsverhältnisse unserer Gesellschaft. Es zeigt, warum sich diese Lebensweise trotz Widersprüche und ihrer sozialen und ökologischen Folgen hegemonial durchgesetzt hat. mandelbaum kritik & utopie

Mit „Kritische Friedensforschung“ (2024) rücken wir die komplexen Dynamiken in den Blick, die durch Ereignisse wie den Ukrainekrieg oder die Pandemie sichtbar wurden. Der Band geht unter die Oberfläche des Offensichtlichen und analysiert Machtverhältnisse, strukturelle Gewalt sowie die vielfältigen Zusammenhänge zwischen Krieg, Klima und Gesellschaft. Mandelbaum Verlag

Das neueste Buch „Wege zum Frieden“ (2026) das wir mit Prof. Klaus Moegling herausgegeben haben fragt nicht nur nach Ursachen von Gewalt und Krieg sondern nach konkreten Wegen zu dessen Überwindung! Das Buch ist mehr als eine Analyse, es ist ein Appell für alle, die an einem gerechten, emanzipativen Frieden glauben.

#buch #bücher #buchtipp #buchempfehlung #wissenschaft #politik

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Für weitere Publikationen, Open Access Beiträge und Bücher in Bezug auf Politikwissenschaft, Friedensforschung und Bildung – siehe hier Publikationen | Josef Mühlbauer

Konferenz – Vereint in radikaler Solidarität (18. – 20. Sept. 26 in Wien)

English below!

Konferenz zur radikalen Solidarität in Wien!

In Zeiten eskalierender sozialer, ökologischer und (geo-)politischer Krisen wird Solidarität häufig beschworen, doch oft ihrer Bedeutung beraubt, oder gar reduziert auf staatliche Pflicht, moralische Appelle oder identitätsbasierte Zugehörigkeit. Die Konferenz „Vereint in radikaler Solidarität: Unsere Antwort auf Herrschaft und Hierarchie“ bringt Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen und Praktiker*innen zusammen, um Solidarität aus einer kritischen, antiautoritären Perspektive zu beleuchten.

Wir verstehen Solidarität nicht als moralische Parole, sondern als praktische, konfliktgeladene und beziehungsorientierte Praxis, die Herrschaft in Frage stell und zwar zur Schaffung egalitärer sozialer Beziehungen. Die Konferenz setzt eine Reihe von antiautoritären und antifaschistischen Tagungen: Die erste Tagung fand 2021 online (organisiert von der Pädagogischen Hochschule Freiburg) statt, das zweite 2025 an der VHS & TU Wien. Das Treffen 2026 zielt darauf ab, diese Gespräche weiter zu vertiefen und Perspektiven aus Theorie und Praxis zusammenzuführen – darunter soziale Bewegungen, Fürsorgearbeit, Gemeingüterinitiativen, Bildung, Technologie, ökologische Kämpfe, antirassistische und feministische Perspektiven, alternative Wirtschaftsformen und transnationale Solidaritätsnetzwerke.

Die Konferenz findet vom 18. bis 20. September 2026 in Wien (an TU Wien) statt. Vorschläge und Beiträge (Poster, Workshops, Vorträge…) sind bis zum 26. April 2026 willkommen. Weitere Informationen und Kontakt: radikalverbunden@riseup.net


United in Radical Solidarity – Conference in Vienna (18–20 September 2026)

In times of escalating social, ecological and (geo-)political crises, solidarity is frequently invoked but often emptied of meaning – reduced to state duty, moral appeal or identity-based belonging. The conference “United in Radical Solidarity: Our Response to Domination and Hierarchy” brings together scholars, activists and practitioners to explore solidarity from a critical, anti-authoritarian perspective.

Rather than a moral slogan, we understand solidarity as a practical, conflictual and relational practice that challenges domination and helps create egalitarian social relations. The conference continues a series of antiautoritarian-oriented conferences: the first took place online in 2021 (organised by the PH Freiburg), and the second in Vienna at the VHS & TU Wien in 2025. The 2026 meeting aims to further deepen these conversations and bring together perspectives from theory and practice – including social movements, care work, commons initiatives, education, technology, ecological struggles, anti-racist and feminist organising, alternative economies and transnational solidarity networks.

The conference will take place 18–20 September 2026 in Vienna (TU Wien). We welcome proposals and contributions until 26 April 2026. More information and contact: radikalverbunden@riseup.net

Orga-Team 2025

Podiumsdiskussion zum Irankrieg an der Uni Graz

Kontext des Irankriegs: Die Entwicklungen im Iran überschlagen sich, man denke hierbei nur an die Massenproteste, Massaker, militärische Eskalation und wachsende Spekulationen über die Zukunft des politischen Systems. Kaum ein anderes Land steht derzeit so stark im Spannungsfeld zwischen innerem Widerstand, geopolitischen Konflikten und der Frage nach möglichen politischen Veränderungen. Kaum eine andere Diskussion scheint so die Gemüter zu erhitzen. Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Nahen Osten, dem Iran und der geopolitischen Lage zuzulassen.

Die Podiumsdiskussion wurde organisiert vom „Europäisches Trainings- und Forschungszentrum für Menschenrechte und Demokratie“ (Uni Graz), insbesondere Mag. Dr.iur. Lisa Heschl E.MA , dem Verein für Menschrechte und Freiheit „Woman Life Freedom“ & dem Fachbereich Global Governance, am Institut für Rechtswissenschaftliche Grundlagen, insbesondere MMag. Dr. phil. Maximilian Lakitsch, M.A.

Ort: Universität Graz (REWI-Zentrum, SZ 15.21)
Datum: 11.3.26

Am Podium:
Mag.a Solmaz Khorsand (Journalistin & Autorin)
Mag. Dr.phil. Walter Posch (Nahostexperte, Landesverteidigungsakademie Wien)
Univ.-Ass. Josef Mühlbauer BA BA MA (Friedensforscher, Uni Graz)

In Vorbereitung auf diese Podiumsdiskussion hab ich viel von den folgenden Beiträge gelernt.

Who speaks for Iran?—and from where? Geopolitics, Representation, and Solidarity von Prof. Nazanin Shahrokni Who speaks for Iran?—and from where? – Spectre Journal – zu ihrer Website: Dr Nazanin Shahrokni – Assistant Professor of Gender Studies at the London School of Economics

Hoornaz Keshavarzian & Nicole Stewart (2025): “Make Iran great again”: Apolitical influencers and the revival of a romantic patriarchal nationalism – (PDF) “Make Iran great again”: Apolitical influencers and the revival of a romantic patriarchal nationalism

In der YouTube Infobox sind weitere Artikel & Beiträge vorhanden.

Podiumsdiskussion – Matilda Effekt. Zur (Un-)Sichtbarkeit von Frauen

Die Podiumsdiskussion im Rahmen von „REWI im Gespräch“ mit dem Titel: „Matilda Effekt. Zur (Un-)Sichtbarkeit von Frauen“ widmet sich diesen Dynamiken der Ungleichheit, Unterdrückung und Unsichtbarmachung von Frauen. Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Kultur diskutieren historische Kontinuitäten, aktuelle Herausforderungen sowie mögliche Wege zu mehr Sichtbarkeit und Anerkennung von Frauen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen.

Podiumsdiskussion: „Matilda Effekt. Zur (Un-)Sichtbarkeit von Frauen“

Datum: 16. April 2026
Uhrzeit: 18:00 Uhr
Ort: Universität Graz, ReWi-Zentrum, Universitätsstraße 15, Bauteil A, Seminarraum 15.21

Der Matilda-Effekt beschreibt ein wiederkehrendes Phänomen: Leistungen von Frauen werden in Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Bildung und Kunst häufig übersehen, unterschätzt oder anderen zugeschrieben. Trotz bedeutender Fortschritte in Fragen der Gleichstellung bestehen weiterhin strukturelle Ungleichheiten und Mechanismen der Unsichtbarmachung.

Die Podiumsdiskussion „Matilda Effekt. Zur (Un-)Sichtbarkeit von Frauen“ widmet sich genau diesen Dynamiken. Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Kultur diskutieren historische Kontinuitäten, aktuelle Herausforderungen sowie mögliche Wege zu mehr Sichtbarkeit und Anerkennung von Frauen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen.

Am Podium diskutieren:

  • Gabriele Schölzer (Dekanin der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, Universität Graz)
  • Martin Polaschek (ehemaliger Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung)
  • Anita Ziegerhofer (Institutsleiterin, Institut für Rechtswissenschaftliche Grundlagen, Universität Graz)
  • Stefanie Wöhl (Jean Monnet Chair, FH BFI Wien)
  • Bella Volen (Kunstgaleristin, akademische Kunstmalerin & Salon Artemira)

Die Diskussion wird co-moderiert und organisiert von Josef Mühlbauer, Friedensforscher an der Universität Graz als auch der REWI Uni Graz.

Im Mittelpunkt des Abends stehen Fragen wie:

  • Welche strukturellen Mechanismen führen zur Unsichtbarkeit von Frauen?
  • Wie wirken historische Machtverhältnisse bis heute nach?
  • Und welche institutionellen, politischen und kulturellen Veränderungen sind notwendig, um Gleichstellung nachhaltig zu fördern?

Die Veranstaltung lädt Studierende, Forschende sowie eine interessierte Öffentlichkeit ein, gemeinsam über Geschlechtergerechtigkeit und Sichtbarkeit in zentralen gesellschaftlichen Bereichen zu diskutieren.

Eintritt frei! Das Event wird aufgezeichnet und gefilmt. 

Bei Fragen: josef.muehlbauer@uni-graz.at

Film- und Podiumsdiskussion

Militantropos – eine Film- und Podiumsdiskussion zu Krieg, Frieden & Ukraine

Am 3.3.26 fand im Cine Center die Film- & Podiumsdiskussion zu Militantropos statt – und der große Andrang zeigte deutlich, wie sehr das Thema bewegt.

Moderiert wurde das Gespräch vom Friedensforscher Josef Mühlbauer von der Universität Graz. Auf dem Podium teilten Eva Maria Czermak von der Caritas sowie Hannes Svoboda, Präsident des International Institute for Peace, ihre Perspektiven.

Im Fokus standen konkrete Projekte und Erfahrungen aus der Ukraine – berührende Einblicke, die verdeutlichten, wie wichtig internationale Solidarität, nachhaltige Unterstützung und das Sichtbarmachen humanitärer Arbeit sind.

Ein inspirierender Abend voller Austausch, neuer Denkanstöße und der Erinnerung daran, wie wertvoll Dialog in Zeiten des Konflikts ist.

Dieses Event fand im Rahmen des Cluster CPDC der Uni Graz und in Kooperation mit dem Filmladen, Cine Center Wien, IIP & Caritas statt.

Fotos: Mag.art Bella Volen (Fotographin & Kunstgaleristin)

Krieg & Friedensbewegung – Feministische Perspektiven (Buchvorstellung)

Friedensforscher Josef Mühlbauer moderiert Panel zu Krieg und Frieden

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Sicherheit ohne Waffen? – Weltdokumente-Erbe für den Frieden

Sicherheit ohne Waffen? – Weltdokumente Erbe für den Frieden Wie können wir Frieden und Sicherheit neu denken – jenseits militärischer Logik und Aufrüstung? Anlässlich des „Weltdokumente Erbes für den Frieden“ von Hans Thirring lade ich euch herzlich zu einer spannenden Podiumsdiskussion ein, die genau dieser Frage nachgeht. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist erforderlich: https://www.eventbrite.com/e/podiumsdiskussion-thirrings-un-weltdokumentenerbe-fur-den-frieden-tickets-1842660038779?aff=erelpanelorg

Podiumsdiskussion am 12. Dezember 2025, 18:00 Uhr, Bella Galerie Wien

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Wie können wir Frieden und Sicherheit neu denken – jenseits militärischer Logik, Aufrüstung und Abschreckung?
Diese Frage steht im Zentrum einer besonderen Podiumsdiskussion, die anlässlich des „Weltdokumente-Erbes für den Frieden“ von Hans Thirring stattfindet. Sie führt Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Friedensforschung und feministischer Friedensarbeit zusammen – moderiert vom Friedensforscher Josef Mühlbauer.

Hans Thirring: Physiker, Pazifist und Visionär

Der Name Hans Thirring (1888–1976) ist heute vor allem Physikerinnen und Physikern ein Begriff – als jener Wiener theoretische Physiker, der gemeinsam mit dem deutschen Kollegen Lense den sogenannten Lense-Thirring-Effekt beschrieb: die „Raum-Zeit-Verdrehung“ um rotierende Massen, ein wichtiger Beitrag zur Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein.

Doch Thirring war weit mehr als ein bedeutender Wissenschaftler. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte er sich zu einem der konsequentesten pazifistischen Intellektuellen Österreichs. Tief erschüttert von den Erfahrungen des Krieges setzte er sich für Abrüstung, internationale Verständigung und eine Erziehung zum Frieden ein. Bereits in den 1920er Jahren schrieb Thirring eindringliche Texte gegen die militärische Logik und warnte vor einer neuen Aufrüstungsspirale – lange bevor diese in den 1930er Jahren Realität wurde.

Sein Werk „Die mechanische Weltanschauung und ihre Zertrümmerung“ gilt bis heute als einflussreiche Auseinandersetzung mit den ethischen und erkenntnistheoretischen Konsequenzen moderner Naturwissenschaft.
Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte sich Thirring verstärkt für die Friedensbewegung, trat für atomare Abrüstung ein und setzte sich für eine friedensorientierte Bildung ein.

Seine Schriften und Manuskripte wurden 2023 in das UNESCO-Weltdokumentenerbe „Memory of the World“ aufgenommen – als „Weltdokumente-Erbe für den Frieden“. Sie dokumentieren die Verbindung von wissenschaftlicher Vernunft, ethischer Verantwortung und politischer Zivilcourage.

Das Podium besteht aus renommierten Expert:innen aus Österreich:

Frieden neu denken – das Podium

Die Veranstaltung „Sicherheit ohne Waffen?“ knüpft an Thirrings Vermächtnis an. Sie lädt ein, über aktuelle Formen der (Un-)Sicherheit, die Militarisierung Europas und Alternativen zu sicherheitspolitischem Denken in Blöcken zu diskutieren. Drei profilierte Persönlichkeiten und geniale Akademiker:innen bringen dabei unterschiedliche Perspektiven ein:

Prof. Werner Wintersteiner – Pädagoge des Friedens

Werner Wintersteiner ist einer der bekanntesten österreichischen Friedensforscher. Als Gründer und langjähriger Leiter des Zentrums für Friedensforschung und Friedenspädagogik an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt hat er entscheidend dazu beigetragen, Friedenspädagogik im deutschsprachigen Raum zu etablieren.
Er plädiert für ein „poetisches Denken des Friedens“ – ein Konzept, das Frieden nicht nur als politische Abwesenheit von Krieg, sondern als kulturelle, kommunikative und imaginative Praxis versteht. Wintersteiner fordert, Sicherheit neu zu denken: weg von militärischer Logik, hin zu sozialer Gerechtigkeit, Bildung und ökologischer Nachhaltigkeit. Mit seinem Buch „Sicherheit ohne Waffen“ trifft er den Nerv unserer Zeit.

Prof. Heinz Gärtner – Politikwissenschaftler und Sicherheitsexperte

Heinz Gärtner, Professor an der Universität Wien und langjähriger wissenschaftlicher Leiter des Österreichischen Instituts für Internationale Politik (oiip), ist einer der führenden Experten für internationale Sicherheitspolitik, Neutralität und Rüstungskontrolle.
Er analysiert die sicherheitspolitischen Spannungsfelder zwischen kollektiver Verteidigung, Abschreckung und kooperativer Sicherheit. Gärtner zeigt in seinen Arbeiten immer wieder auf, dass militärische Dominanz keine nachhaltige Stabilität schafft – und dass die europäische Friedensordnung auf Diplomatie, Vertrauen und Dialog aufbauen muss – ganz im Sinne einer glaubwürdigen und aktiven Neutralität (#BrunoKreisky).

Rosa Logar – Feministin und Friedensaktivistin

Rosa Logar ist eine der prägenden Stimmen der feministischen Friedensarbeit in Österreich. Sie ist Mitbegründerin und Aktivistin der Women’s International League for Peace and Freedom (WILPF) Austria – einer der ältesten internationalen Frauenfriedensorganisationen der Welt, gegründet 1915 während des Ersten Weltkriegs. Sie hat darüber hinaus als erste in Österreich Frauenhäuser mit ins Lebens gerufen und WAVE gegründet. Sie ist eine Pionierin im Bereich Frauenrechte und Gewaltprävention.
Logar verbindet in ihrer Arbeit feministische Außenpolitik, Menschenrechte und Gewaltprävention. Sie macht deutlich, dass patriarchale Machtstrukturen und militärische Logiken eng miteinander verknüpft sind – und dass Frieden nur dann nachhaltig ist, wenn er auf Gleichberechtigung, sozialer Teilhabe und kollektiver Sicherheit basiert.

General i.R. Günther Greindl – ist ein ehemaliger Berufsoffizier des österreichischen Bundesheeres mit dem letzten Dienstgrad General. Er war an verschiedenen UN-Missionen in leitender Stellung für die österreichische Abordnung und auch in militärnahen diplomatischen Verwendungen tätig. Anschließend war er bis April 1979 stellvertretender Generalstabschef im Verteidigungsministerium. Es folgte ein weiterer UN-Einsatz als Chef der Beobachtertruppe UNDOF (UNDOF Ausbatt) auf den Golanhöhen an der Grenze zwischen Israel und Syrien. Danach war er von 1981 bis 1989 Befehlshaber der UN-Friedenstruppen und Kommandant der Kontrolltruppe UNFICYP auf Zypern. Nach Beendigung dieser Tätigkeit als UN-Force-Commander wurde Greindl 1989 als österreichischer Verteidigungsattaché in die Schweiz entsandt. Im April 1991 wurde er erneut mit einer Mission der Vereinten Nationen betraut und zum Chief Military Observer der United Nations Iraq-Kuwait Observation Mission (UNIKOM) ernannt. Nach seiner Rückkehr wurde er zum Leiter der Generalstabsgruppe für Militärpolitik und Sicherheitskooperation bestellt, eine Funktion, die er bis 2000 innehatte.

Moderation: Josef Mühlbauer – Friedensforscher, Autor und Speaker

Moderiert wird die Diskussion von Josef Mühlbauer, Friedens- und Konfliktforscher an der Universität Graz. Er verbindet akademische Analyse mit gesellschaftlichem Engagement. Als politischer Wissenschaftler beschäftigt er sich mit globaler Governance, Demokratie und Konflikttransformation – und moderierte bereits zahlreiche Panels zu den Herausforderungen einer friedensorientierten Weltordnung.

Für ihn ist Thirrings Vermächtnis hochaktuell: „Hans Thirring hat früh erkannt, dass Frieden nicht militärisch hergestellt werden kann. In einer Zeit, in der wieder massiv aufgerüstet wird, ist es wichtiger denn je, diese Frage neu zu stellen: Was bedeutet Sicherheit wirklich – und für wen?“

Ein Erbe für die Zukunft

Das „Weltdokumente-Erbe für den Frieden“ von Hans Thirring erinnert daran, dass Wissenschaft und Ethik untrennbar verbunden sind. Es fordert uns auf, das Verhältnis von Wissen, Macht und Verantwortung kritisch zu reflektieren.

In einer Welt, die zunehmend von geopolitischen Konflikten, Klimakrisen und sozialen Spannungen geprägt ist, braucht es neue Ansätze für Sicherheit – Ansätze, die nicht auf Waffen, sondern auf Kooperation, Bildung und Gerechtigkeit beruhen.

Veranstaltungsdetails

📅 Datum: Freitag, 12. Dezember 2025
🕕 Uhrzeit: 18:00 Uhr
📍 Ort: Bella Volen Galerie, Landesgerichtsstr. 6, 1010 Wien, Nähe U2 Rathaus
🎟️ Eintritt: frei – Anmeldung erforderlich unter: https://www.eventbrite.com/e/podiumsdiskussion-thirrings-un-weltdokumentenerbe-fur-den-frieden-tickets-1842660038779?aff=erelpanelorg

Sicherheit ohne Waffen? – Weltdokumente Erbe für den Frieden Wie können wir Frieden und Sicherheit neu denken – jenseits militärischer Logik und Aufrüstung? Anlässlich des „Weltdokumente Erbes für den Frieden“ von Hans Thirring lade ich euch herzlich zu einer spannenden Podiumsdiskussion ein, die genau dieser Frage nachgeht. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist erforderlich: https://www.eventbrite.com/e/podiumsdiskussion-thirrings-un-weltdokumentenerbe-fur-den-frieden-tickets-1842660038779?aff=erelpanelorg

„Sicherheit ohne Waffen?“ ist mehr als der Titel einer Podiumsdiskussion – es ist eine Herausforderung an unser Denken.
Das Vermächtnis Hans Thirrings, das Engagement der Diskutierenden und die offene Diskussion zeigen:
Frieden beginnt mit der Frage, wie wir denken – und mit dem Mut, anders zu denken. Seid dabei!

#Friedensforschung #Friedensjournalismus #Podiumsdiskussion #Wien #WienEvents #Friedensdiskussion #Kunstgalerie

Tibetan Geshe Lobsang Soepa & Peace Researcher Josef Mühlbauer – what can peace studies learn from a Monk?

After the pūjā with Geshe Lobsang Soepa, peace researcher Josef Mühlbauer conducted an interview with the Geshe [highest title to monks] on the topic of peace.

But first let me say few words on pūjā. In Tibetan Buddhism (as well as in Hinduism), a pūjā is a ritual act of offering, prayer, and devotion. It can include chanting, making offerings such as water, incense, flowers, or food, and reciting prayers or mantras. The purpose is to honor enlightened beings, accumulate merit, remove obstacles, and generate positive energy for oneself and others. In the Tibetan context, pūjās are often performed by monks or practitioners for healing, protection, or blessings. Here Geshe Lobsang Soepa did a pūjā in the beautiful Art Gallery Bella Volen.

The Tibetan monk – Geshe Lobsang Soepa, who went to visit many world leaders like for example Volodymyr Zelensky, explained in the interview with peace researcher Josef Mühlbauer that human beings are fundamentally interconnected and therefore inherently social. We must live, eat, drink, and walk together; otherwise, we remain isolated. He emphasized that, in order to achieve peace, we must address the root causes of conflict. Just as in medicine it would be misguided to treat only the symptoms rather than the underlying disease, so too in conflict resolution we must look beyond surface manifestations. He further remarked that humanity constitutes a single family, and our common home is the world. From this perspective, borders and nationalism can be understood as obstacles to uniting the human family. He stressed that our attention should be directed toward what is within our power to change. War and conflict are human-made social problems; therefore, they can be transformed. There is, he concluded, no such thing as a God-given or God-justified war.

The monk also created a sand mandala in Vienna, and of course I was curious about what we can learn from this practice in peace studies?

A sand mandala (from Sanskrit maṇḍala, “circle”) is an intricate geometric design made with colored sand, often depicting the dwelling place of a Buddhist deity or a cosmological map of the universe. Monks create it as a spiritual practice, not as “art” in the Western sense. The process is often accompanied by prayers, chanting, and meditation. The act of creating and dissolving the mandala is meant to generate compassion, healing, and balance, both for the participants and for the wider community. Sand Mandalas help students and practitioners reflect on how conflicts, like mandalas, are impermanent and subject to transformation. They highlight the process over the outcome. Peace building is not only about the final agreement but about the process of dialogue, trust-building, and patience. It can be seen as a metaphor in the sense that peace is often fragile and can be easily disrupted like the sand grains in the Sand Manadala. Just like the sand, peace requires careful arrangement. And the Sand Manadala is like the monk said in the interview with Peace Researcher Josef Mühlbauer, it is a symbol of geometry that symbolizes the interconnectedness of all beings. This is an insight that is crucial to understand systemic, epistemic and structural violence.

Geshe Lobsang Soepa is a Tibetan Buddhist monk, teacher and master of ritual arts. Born in the U-Tsang province of Tibet (near Lhasa); his birth name was Norsang. The name Lobsang Soepa was given by the 14th Dalai Lama. After facing political pressure and imprisonment under Chinese authorities for refusing to renounce monastic life, he escaped to India.

Josef Mühlbauer (born 1987) is an Austrian political scientist, peace researcher, journalist, and author. He works as a university assistant at the University of Graz, particularly in the field of Global Governance and Peace & Conflict Studies. His research interests include socio-ecological transformation, political theory, international relations, political education, and critical approaches to peace (e.g. critical peace studies).

United Nations Security Council Resolution 1325 (UNSCR 1325) – at the Swedish Embassy in Vienna

Pathways to Peace: Legal Accountability and Feminist PeacebuildingPanel discussion on feminist peace and security policy

Glad to had the wonderful opportunity to be invited at the Swedish Embassy in Austria! – Short Report by Peace Researcher Josef Mühlbauer (University of Graz)

My Takewaways from the Panel Discussion on the UNSCR 1325:

The UNSC Resolution 1325 on Women, Peace, and Security isn’t a niche Issue, it’s a strategic imperative and a pathway to peace. Before UNSCR 1325, the work of women in peacebuilding was often informal, overlooked, and underfunded. The resolution, adopted unanimously in 2000, elevated women’s participation from a „nice-to-have“ to a mandatory component of international peace and security efforts. It provided a legal and political basis for advocates to hold governments and the UN itself accountable.

Milestone in Peace Building/ Peace Keeping & Peace Research: On October 31, 2000, the UN Security Council made history. For the first time, it recognized that war impacts women differently—and that women are not just victims, but powerful agents of peace. This was the birth of Resolution 1325 on Women, Peace, and Security (WPS).

Why is the UNSCR 1325 so important?

It is important because sustainable peace is only possible when women are equally included. Studies show that peace agreements are 35% more likely to last at least 15 years when women are involved in their creation. UNSCR 1325 isn’t just about fairness; it’s about effectiveness, it is about resiliant peace!

Key facts & milestones – Four Pillars of Peace

2000: UNSCR 1325 is adopted unanimously.

2009: The US becomes the first country to launch a National Action Plan (NAP) to implement the resolution.

2015: A Global Study on the implementation of UNSCR 1325 is published, highlighting both progress and critical gaps.

Today: Over 100 countries have adopted National Action Plans.

Pillar 1 Participation: It calls for increased representation and meaningful participation of women at all levels of decision-making, including in peace processes, conflict prevention, and post-conflict governance. This means women should be at the negotiating table, not just as observers but as mediators, negotiators, and signatories.

Pillar 2 Protection: It requires parties to conflict to take special measures to protect women and girls from gender-based violence, including rape and other forms of sexual abuse, in situations of armed conflict. This was a critical recognition of rape as a weapon of war.

Pillar 3 Prevention: It calls for integrating a gender perspective into conflict prevention efforts and early warning systems. This means understanding the different ways men and women experience and signal the onset of conflict.

Pillar 4 Relief and Recovery: It mandates the integration of a gender perspective into all humanitarian and post-conflict reconstruction programs. This ensures that the specific needs of women and girls (e.g., access to healthcare, education, and economic opportunities) are addressed in refugee camps, disarmament, demobilization, and reintegration (DDR) programs, and in rebuilding institutions.

Lets honor Sweden’s Pioneering Role 🇸🇪

Sweden has been a global leader in turning the principles of 1325 into action:

In 2014, Sweden became the first country in the world to officially adopt a feminist foreign policy, with the WPS agenda at its core.

The agenda is far from complete. As we face new conflicts and challenges, the principles of 1325 are more critical than ever. Just look at #Sudan#Gaza#Afghanistan ..

Lets honor the Speakers:

(c)Minitta Kandlbauer/VIDC, Swedish Embassy 10.9.2025

H.E. Annika Ben David, Sweden’s Ambassador to Austria and Slovakia as well as Sweden’s Permanent Representative to the United Nations in Vienna

H.E. Manizha Bakhtari, Ambassador and Permanent Representative Ambassador of Afghanistan in Vienna

Julia Prummer, Policy Advisor for the Austrian Foreign Minister, Federal Ministry for European and International Affairs

Jennifer Sarvary Bradford, Crime Prevention and Criminal Justice Officer, United Nations Office on Drugs and Crime

Dima Hussain, Legal Scholar, European University Institute in Florence and Centre for Religious Studies at the Central European University Vienna

Waruguru Gaitho, Gates Cambridge International Scholar of Law, Centre for Gender Studies at the University of Cambridge

Moderation: Miriam Mona Mukalazi, VIDC Global Dialogue

Critical Remarks on the UNSCR 1325:

There is unfortunately a gap between commitment/statements/declarations and the reality on the ground. While the norm is established, implementation is lagging. Women are still grossly underrepresented in formal peace processes. For example, between 1992 and 2019, women constituted only 13% of negotiators, 6% of mediators, and 6% of signatories in major peace processes. In conflicts from Ukraine to Sudan, Yemen, and the DRC, sexual violence continues to be used as a tactic of war, and women’s voices are often sidelined in humanitarian response and peace talks.

Author: Josef Mühlbauer BA BA MA (University Assistent at the University of Graz) is a peace researcher, published several books and peer reviewed academic articles, is a scientific researcher at Empowerment for Peace and the GSIS Institute. He is also the host of the Varna Peace YouTube Channel.